Umwelt - Ressourcen

Umwelt - Ressourcen

Wir stellen fest

Dass die Erde rund ist, weiß man seit Kopernikus. Dass sie begrenzt ist, dass die Ressourcen nicht unerschöpflich sind, Natur und Mensch nicht beliebig belastbar; die Produktivität des Bodens nicht beliebig steigerbar ist, diese Einsicht beginnt erst jetzt langsam in das Bewusstsein einer auf unbegrenztes Wachstum programmierten Industriegesellschaft einzusickern. Dieser Lernprozess findet unter dem Druck einer höchst krisenhaften Entwicklung statt, die durch Ereignisse wie Seveso, Bretagne, Efiskofield signalisiert wird. Diese erscheinen wie Teilkatastrophen, welche den Zusammenbruch bereits vorwegnehmen. Aber es braucht gar nicht so dick kommen. Es stinkt bereits vor dem eigenen Haus und die irreversiblen Schäden an der Umwelt kann man durchs Fenster sehen.

Was noch vor kurzen Fortschritt war, die großen Fabriken und die breiten Straßen etwa, wird heute um Übel und Krebsgeschwür. Die Quantität ist umgeschlagen in „Negativ-Qualität“. Beispiel: Rechnet man alle Nebenkosten und Aufwendungen ein, so bringt es der durchschnittliche Amerikaner mit seinem Auto auf eine mittlere Fahrgeschwindigkeit, die niedriger ist als die eines Radfahrers.

Angesichts dieser Entwicklung, die zu einer Plünderung des Planeten und zu einer totalen Verunmenschlichung der Lebensbedingungen führen muss, beginnen immer mehr Menschen, dem gefräßigen Industriesystem die Gefolgschaft zu verweigern. Sie schließen sich zu Initiativen zusammen, um die schlimmsten Umweltschäden und Bedrohungen abzuwehren, weil sie erfahren, dass Staat und Behörden sich allzu oft auf die Seite der „Wachstumspartei“ stellen, das reibungslose Funktionieren des Wirtschaftsapparates höher werten als das Wohl der Bevölkerung und ihre Gesundheit. Aber auch dort, wo sich unter dem Schirm öffentlicher Förderung eine profitable Umweltschutz- und Verwertungsindustrie gebildet hat, kann man oft den Eindruck gewinnen, dass es sich hier mehr um kosmetische Operationen handelt als um echte Akzente, die auf eine andere Art und Weise des Wirtschaftens abzielen. So könnte ein dem traditionellen Denken verhafteter Umweltschutz die Schminke sein, mit der eine Umweltleiche verschönt wird.

Wir sind überzeugt

Umweltschutz ist mehr als kein Papierl wegschmeißen. Eine kopernikanische Wende ist notwendig, nicht weniger. Ein radikal neues Verhältnis zu den Dingen, zur Natur zur lebenden und unbelebten Umwelt, zu den Mitmenschen. Die Dinge nicht achtlos benutzen, sondern schonend gebrauchen; die Umwelt nicht zerstören, sondern kultivieren, den Mitmenschen nicht als Konkurrenten sondern als Freund betrachten.

Eine solche neue Werthaltung, die subversiv ist in einem positiven Sinn des Wortes (von unten her umkehren), stellt das industrielle Wachstums-Profit-Vergeudungs-Zerstörungssystem in Frage und will es durch eine moderne (keine mittelalterliche!) Kreislaufwirtschaft ersetzen, die die Ökonomie unter den Primat der Ökologie und der Bedürfnisbefriedigung stellt.

In einer solchen Langzeitökonomie werden die natürlichen Ressourcen wie ein kostbarer Schatz gehütet und nicht – wie heute – zum Ausbeutungsgegenstand ersten Ranges gemacht. Die Verantwortlichkeit gegenüber der Umwelt bekommt auch eine zeitliche Dimension: Wir wollen nicht die Bankrotteure der Zukunft unserer Kinder sein.

Wir sind vollständig davon überzeugt, dass bei einer vernünftigen Organisation der natürlichen und menschlichen Produktivkräfte für alle Bewohner der Erde ein menschenwürdiges Auskommen möglich ist, ohne die Umwelt zu zerstören und den Planeten zu plündern. Eine solche Wirtschaftsweise muss ein offensiver Umweltschutz als langfristige Perspektive immer im Auge behalten. Die Maximierung des Gewinnes kann in einem solchen System jedenfalls nicht an erster Stelle stehen.

Wir sehen in den zahllosen Bürgerinitiativen die Vorhut einer neuen ökologischen Friedensbewegung. Sie bilden „Graswurzeln“, die sich auf dem Boden der Gesellschaft festsetzen und so ihre vollständige Erosion verhindern.

Wir sind bereit

Grenzen zu akzeptieren und unsere materiellen Bedürfnisse nicht schrankenlos eskalieren zu lassen.

Zu lernen, dass wir innerhalb eines sehr empfindlichen und verletzlichen Systems leben (Ökosystem) und daraus immer stärker unsere Handlungen auszurichten.

Wir sind bereit, alles Lebendige zu achten, seien es Pflanzen, Tiere oder Menschen. Insbesondere dort, wo Profitgier und Unverstand gewisse Tier- oder Pflanzenarten (auch Menschengruppen!!) mit der Ausrottung bedroht, wollen wir uns einsetzen.

Wir sind bereit, auch mit dem nichtlebenden Teil der Natur, mit den Rohstoffen, den Naturschätzen, der Landschaft sorgsam umzugehen. Wir wollen uns immer mehr bewusst machen, dass die Parole „einmal ist keinmal“ und „wenn nur ich es tue, macht das gar nichts“, eine tödliche soziale Falle sein kann.

Wir sind bereit, bei der Gestaltung, beim Schutz und bei der Wiederherstellung einer intakten Umwelt aktiv mitzuarbeiten, das kann von der Mitarbeit in der Regionalplanung bis zur Beseitigung von Autowracks gehen.

Wir sind bereit, unsere unmittelbare Umgebung entsprechend und sauber zu halten und von uns betriebene Maschinen und Geräte umweltfreundlich und emissionsarm zu betreiben (Lärm, Abgase).

Wir sind bereit, auf den Bau eines Wochenendhauses zu verzichten, wenn damit die Landschaft noch weiter zerstört wird.

Wir sind bereit, bei der Wohnraumbeschaffung kommunikativere Wohnformen wie etwa den verdichteten Flachbau der Errichtung des bodenverzehrenden Einfamilienhauses vorzuziehen.

Wir sind bereit, Artikel zu kaufen, die offenkundig umweltschädlich sind oder unnötig Rohstoffe und Energie verschleißen (Plastik, Aludosen, Spraydosen etc.)

Wir sind bereit zu einem systematischen Recycling unseres Mülls und wollen uns um eine entsprechende Infrastruktur bemühen (Aufstellen von Papier-, Glas- und Metallbehältern in Wohnquartieren etc.). Wir sind bereit, als Betroffene in Bürgerinitiativen mitzuarbeiten, wenn diese tatsächlich Interessen der Bürger vertreten.

Wir fordern

Auch wenn viele Einzelne bereit und willens sind, sich umweltbewusst zu verhalten, nützt dies wenig, wenn in den entscheidenden Bereichen, wie Industrie, Handel, Verkehr, Raumordnung, Landwirtschaft usw. die den Privatbereich – was die Folgen betrifft – bei weitem übersteigen, keine grundlegenden Änderungen eintreten. Man wird auf Dauer dem kleinen Mann schwerlich einreden können, seine Klärgrube ständig zu warten und sein Laub nicht abzuheizen, wenn gleichzeitig große Industrien völlig unbehelligt um ein vieltausendfach höheres Maß die Umwelt verschmutzen. Hier müssen tatsächlich Dimensionen und Größenordnungen gesehen werden.

Wir fordern deshalb:

Einen Baustopp in ökologisch- und unweltgefährdeten Gebieten. Eine Förderung des verdichteten Flachbaues und eine Revitalisierung vorhandener Bausubstanz anstelle von Neubauten (Altstadt).

Eine Reduktion der Ausbauparameter der Straßen, damit sie besser in die Landschaft eingefügt werden können.

Ein Programm, daß innerhalb von 20 Jahren die Stromleitungen unter die Erde bringt, um so die optische Umweltverschmutzung zu mildern.

Strengere Auflagen bei Seilbahnen und Liften in unberührten Bergregionen.

Einen naturnahen Wasser- und Straßenbau.

Einen Lärm- und Abgaskataster für alle Industrie- und Siedlungsräume welcher der Öffentlichkeit bekannt gemacht und jährlich fortgeschrieben wird.

Ein Lärmschutzgesetz, das von der Ursache ausgeht und nicht nur nachträglich die Schäden zu mildern versucht. Beispielsweise Maßnahmen an den Fahrzeugen selbst anstelle von hässlichen und teuren Lärmschutzwänden.

Eine Verschärfung der Abgasnormen für Kraftfahrzeuge.

Die Förderung des öffentlichen Verkehrs, insbesondere in den Städten.

Zur Schonung der Ressourcen fordern wir:

Ein Verbot der Wegwerfproduktion, wie Einwegflaschen, Aludosen, aufwendige Verpackungen, etc. oder eine hohe Umweltschutzsteuer auf solche Produkte.

Ein nationales Programm für umfassendes Recycling und eine entsprechende systematische Information der Bevölkerung.

Zur Schonung des Bodens halten wir es für unumgänglich, den biologischen und ökologischen Landbau zu forcieren und die weitere Chemisierung der Landwirtschaft, die nicht nur auf Dauer den Boden zerstört, sondern auch in größtem Ausmaß nicht erneuerbare Rohstoffe verbraucht (Erdöl), einzudämmen.