Energie

Energie

Wir stellen fest

Die Bereitstellung billiger Energie durch die exzessive Ausbeutung nicht-regenerierbarer Energiequellen (Öl) haben die technisch-industrielle und damit sozio-ökonomische Entwicklung in diesem Jahrhundert geprägt. So ist der Gesamtenergie-verbrauch in den letzten Jahren ungeheuer in die Höhe geschnellt.

Erst in letzter Zeit wird immer stärker bewusst, dass der ständigen Zunahme des Energieverbrauches äußere und innere Grenzen gesetzt sind. In dieser Situation, die zusätzlich durch die Tatsache, dass der weitaus größere Teil der Menschheit bei diesem Rennen nach billiger Energie und damit Wohlstand leer ausgegangen ist (3.Welt), verschärft wird, zeichnen sich immer deutlicher zwei grundsätzlich unterschiedliche Auffassungen ab:

Die einen glauben, dass es auf dem bisherigen Weg schon irgendwie weitergehen wird und der technische Fortschritt in der Lage sein wird, alle Probleme rechtzeitig zu lösen. Sie votieren nach wie vor für ein ständiges Wachstum des Energieverbrauches und wollen zumindest für einen mittelfristigen Zeitraum die Kernenergie zur Deckung einer vermeintlichen Energielücke einsetzen. Ihre Anhänger und Propagandisten finden diese Linie vorwiegend im Bereich der Großindustrie der technisch industriellen Eliten und der Bürokraten großer Institutionen.

Die anderen meinen, dass ständiges Wachstum weder möglich noch wünschenswert ist. Sie plädieren dafür, mit der Verschwendung Schluss zu machen und den Einsatz umweltfreundlicher regenerierbarer alternativer Energiequellen zu forcieren und auf die Kernenergie als gefährliche Sackgasse zu verzichten. Die Auseinandersetzung zwischen diesen beiden „Philosophien“, zwischen den Verfechtern des „harten“ Weges und des „sanften“ Weges wird auf dem Gebiet der Energiepolitik, aber nicht nur hier, die gesellschaftliche Entwicklung der Jahrtausendwende entscheidend prägen.

Wir sind überzeugt

Eine wirkliche menschliche Alternative stellt nur der vorhin skizzierte sanfte Weg dar. Ständig steigender Energiekonsum ist, wie bereits gesagt, weder möglich noch wünschenswert. Er wirkt in letzter Konsequenz zerstörerisch auf Leben und Umwelt. Eine Limitierung des Energieverbrauches, verbunden mit einer bevorzugten Versorgung jener, die bisher leer ausgegangen sind, ist anzustreben. Ein solcher Übergang auf einem stationären Zustand muss gekoppelt werden mit einer Umrüstung von nicht erneuerbaren Energiequellen auf regenerierbare Energie- gewinnungsformen, weil das knapp werdende Öl als wichtiger Rohstoff zu kostbar ist, um es einfach zu verbrennen. Die sanften Energiequellen sind in genügendem Maß vorhanden, um allen Menschen die Erfüllung der Grundbedürfnisse zu garantieren und den heutigen Wohlstand zu erhalten, das ist heute unbestritten. Ihre technische Nutzung der Biomasse, Wind, Gezeiten etc. bieten heute keine prinzipiellen Schwierigkeiten mehr. Es kommt ausschließlich auf das Wollen, auf die politische Zielsetzung an, wie rasch diese Energieformen zum Tragen kommen können. Gleichzeitig würde diese Energieformen auch zu einer stärkeren demokratischen Strukturierung unserer Gesellschaft führen, weil sie dezentral eingesetzt größere Autonomie des einzelnen ermöglichen und die Abhängigkeit von komplexen Technologien und technischen Eliten verringern.

Diese Umstellung von „Energiekapital“ auf „Energieeinkommen“ muss begleitet werden von einer vernünftigen, rationellen Verwendung der Energie. Hier liegt ein riesiges Einsparungspotential vor. Einerseits kann durch eine zweckentsprechende Verwendung Energie gespart werden (den Wirkungsgrad beachten!), andererseits können durch Eindämmung der Produktion von Verschleißartikeln, geplanter Obsoleszenz, destruktiver und unnützer Produktion (Rüstungsgüter) ebenfalls große Energiequanten eingespart werden.

In der Frage der Nutzung der Atomenergie sprechen wir ein klares und bestimmtes NEIN aus. Unsere zahlreichen guten Gründe für diesen Standpunkt können wir hier in der gebotenen Kürze nur andeuten. Nur soviel, dass uns auch aus ethischen und moralischen Gründen der Einsatz der objektiv gefährlichen und die Zukunft außerordentlich lange Zeiträume belastenden Plutoniumökonomie nicht verantwortbar erscheint und gerade unser Land die historische Chance hat, damit erst gar nicht anzufangen. Wir meinen auch, dass der Atomstrom, weit davon entfernt, billig zu sein, - wenn alle versteckten Kosten mit eingerechnet werden – für unsere Volkswirtschaft nicht zwingend notwendig ist.

Um diese unsere Überzeugung zusammenzufassen: Das Ausmaß, die Art und Weise der Erzeugung und Nutzung von Energie, stellen einen außerordentlich bedeutsamen Indikator dafür dar, wie es um eine Gesellschaft bestellt ist. Die Energiefrage wird so zu einer Schlüsselfrage für die Zukunft unsere Gesellschaft. Dementsprechend groß muss unser gesellschaftlicher Einsatz, dementsprechend überzeugend unser persönliches Verhalten in dieser Frage sein.

Wir sind bereit

Lebensformen zu entwickeln und anzustreben, die einen sparsamen Umgang mit Energie erlauben und die Einführung in eine Kreislaufwirtschaft ermöglichen. Damit zusammenhängen unser Energiebewusstsein ständig weiterzuentwickeln und zu schärfen, um zu erkennen, in welchem Ausmaß wir selber bereits in die Vergeudungsprozesse integriert sind. Denn der erste unverzichtbare Schritt zu einer Veränderung ist das entsprechende Bewusstsein.

Wir sind bereit, auch dort, wo der Umgang mit der Energie nicht direkt mit persönlichen Kosten verbunden ist (z.B. Stiegenhausbeleuchtung, Zentral- heizungen), uns sparsam und gesamtverantwortlich zu verhalten.

Wir sind bereit, keine großen, treibstofffressenden Autos zu verwenden und allgemein das Auto nur dort einzusetzen, wo es zwingend notwendig ist. Wir sind bereit auf energieverzehrenden Luxuskomfort, wie privates Schwimmbad, Sauna, Zweitwohnung, Zweithaus, etc. zu verzichten, weil hier die größten Steigerungsraten des Energieverbrauches liegen. Das spricht nicht gegen eine gemeinschaftliche Nutzung solcher an sich angenehmer und wünschenswerter Dinge.

Wir sind bereit, uns bei der Neuanschaffung von Haushaltsgeräten und Maschinen zu überlegen, ob sie auch vom Energiestandpunkt zweckmäßig sind.

Wir sind bereit, beim SW-Fernseher zu bleiben, falls wir nicht überhaupt den Besitz eines solchen Gerätes für überflüssig halten. Wir sind bereit, bei der Wohnraumbeschaffung nach energetisch günstigen Lösungen zu suchen (z.B. verdichteter Flachbau statt Einfamilienhaus). Mehrkosten für einen Vollwärmeschutz in Kauf zu nehmen und die Möglichkeiten solarer Wärmenutzung in Verbindung mit Wärmepumpen gründlich zu prüfen.

Schließlich sind wir bereit, für eine Übergangsperiode einen progressiven Energiepreis in Kauf zu nehmen, wenn gleichzeitig das System der Mengenrabatte für die Industrie aufgehoben wird, und die Mehreinnahmen für die Entwicklung alternativer Energiesysteme zweckgebunden wird.

Wir fordern

Wir fordern, die Nichtinbetriebnahme von Zwentendorf. Es soll eine Studie über Möglichkeiten und Kosten einer Umrüstung auf ein kalorisches Kraftwerk erstellt werden. Diese Kosten sind mit den zu erwartenden Kosten für den Bau und Betrieb eines Endlagers für Atommüll in Bezug zu bringen.

Wir fordern beim Neubau kalorischer Kraftwerke die Nutzung der Abwärme mittels Kraft-Wärme-Kupplung und bei den bestehenden die Überprüfung der Wirtschaft- lichkeit eines nachträglichen Einbaues.

Stillgelegte Kleinkraftwerke sollen reaktiviert und bestehende durch Förderungsmaß-nahmen modernisiert werden. Wir fordern eine breit angelegte, alle Bevölkerungs-schichten erfassende Kampagne zur Einsetzung der umweltfreundlichen alternativen Energie, wie Sonne, Biomasse, Wind, Geothermie und ihre sinnvolle Kombination mit herkömmlichen Energieträgern. Wir brauchen nationale und regionale Energiepläne, die nicht eine Fortschreibung der Vergangenheit sind und sich auf regenerierbare Energien abstützen.

Wir fordern die eindeutige Priorisierung der sanften Energien bei der Forschung gegenüber der Kernenergie. Längst überfällig sind gesetzliche Regelungen, die den Wärmeschutz bei Wohnbauten verbessern. Bei zentraler Wärmeversorgung sollten in den einzelnen Wohnungen Verbrauchszähler vorgesehen werden, soglange das allgemeine Verantwortungsbewusstsein noch nicht genügend entwickelt ist.

Wir fordern ein System progressiver Energiepreise für nicht erneuerbare Energien (Erdöl, Erdgas, teilweise Strom) verbunden mit einem Paket von Erleichterungen bei der Verfügbarmachung regenerierbarer, umweltfreundlicher Energien.

Ein ähnlicher Effekt ließe sich durch eine gestaffelte Energiesteuer erzielen, wobei gleichzeitig die Umsatzsteuer entlastet werden müsste. Auch benzinfressende Automobile sollten von einer solchen Abgabe erfasst werden, wobei gleichzeitig gesetzliche Normen festzulegen wären, die den Treibstoffverbrauch von in Österreich in Benützung stehenden Automotoren limitieren (z.B. 6 Liter/100 km).

Die Tempolimitierung während der Ölkrise hat beachtliche Einsparungseffekte gebracht. Wir meinen deshalb, dass eine generelle Geschwindigkeitsbeschränkung ähnlich dem amerikanischen Beispiel, etwa auf 90 km/h sehr sinnvoll wäre, auch im Hinblick auf das Unfallgeschehen. Es ist aber unsinnig, das Tempo zu limitieren, wenn gleichzeitig immer schnellere und PS-stärkere Autos auf den Markt kommen. Ähnlich wie bei Treibstoffverbrauch müsste auch hier auf der Ebene des Motorenbaus eine Begrenzung vorgenommen werden.

Wir fordern das Verbot der Einwegflasche und sonstiger Artikel, die unsinnigerweise Rohstoffe und Energien vergeuden.