Auto & Verkehr

Auto & Verkehr

Wir stellen fest

Verkehrsprobleme nehmen im öffentlichen Bewusstsein einen außergewöhnlichen bedeutsamen Rang ein. Die Medien informieren den Bürger tagtäglich über Verkehrsereignisse, seien es Unfälle, Verkehrsstaus oder Straßenbauprobleme. Die LKW-Blockade im Gefolge der Einführung des Straßenverkehrsbeitrages hat wieder einmal drastisch gezeigt, wie verwundbar eine Volkswirtschaft in ihrer Infrastruktur ist. Bei der Standortfestlegung von Industrien stellt die Verkehrsgunst oft das entscheidende Kriterium dar. Entwicklung oder Nicht-Entwicklung einer Region hängt wesentlich von ihrer verkehrlichen Erschließung und Erreichbarkeit ab.

Unsere heutige Wirtschafts- und Lebensweise hat also hochgradige Mobilität zu einer Hauptbedingung für wirtschaftlichen und persönlichen Erfolg werden lassen. „Mobilität heißt Fortschritt“, unter dieser Parole beispielsweise wird heute weltweit für den Straßenbau Propaganda gemacht. Und, „wer kein Auto hat, ist kein Mensch“, scheint eine durchgängige Erfahrung im individuellen Bereich zu sein.

Die Ausbildung des internationalen Industriesystems, verbunden mit einer immer weiter verfeinerten Arbeitsteiligkeit, hat in den letzten hundert Jahren die Verkehrsleistungen und damit den Bedarf nach entsprechender Infrastruktur ungeheuer steigen lassen.

In der Auseinandersetzung konkurrierender Transportmittel setzte sich schließlich das Automobil in einem unvergleichlichen Siegeszug durch. Die mächtigsten Industrien, die Ölmultis und die Automobilkonzerne standen ihm Pate.

Das Automobil hat die Lebensweise der Nachkriegsgeneration revolutioniert und den Menschen wie bei keiner anderen Maschine von ihm abhängig gemacht, ökonomisch, existentiell, sogar emotional und psychisch. Es hat in der Werteskala der Gesellschaft den Platz der heiligen Kuh eingenommen. Es erlaubte, den Lebenslauf in Grundfunktionen wie Arbeiten, Wohnen, Versorgen, Erholen, Bildung etc. örtlich getrennt zu zerlegen und schaffte so für den einzelnen eine neue Form der Zwangsmobilität.

Mit rasch zunehmender Motorisierung traten aber Widersprüche und Grenzen einer „automobilisierten“ Gesellschaft immer deutlicher zutage. Eine „soziale Falle“ tat sich auf: Was für einen einzelnen oder einige wenige, eine wunderbare Sache sein kann, nämlich mit dem eigenen Auto auf schönen Straßen beliebige Ziele ansteuern zu können, führt sich in millionenfacher Wiederholung ad absurdum. In den stockenden Kolonnen, in den verpesteten und von Straßen zerstörten Städten, in den Unfallstatistiken und Todesraten erweist sich die Verheißung von mehr Freiheit und Selbstverwirklichung durch mehr Mobilität als trügerische Illusion.

So wird selbstverständlich, dass die Wiege des Bürgerwiderstandes gegen technokratischen Fortschrittsglauben in der Verkehrsproblematik liegt. Die ersten Bürgerinitiativen formierten sich gegen umweltzerstörende Straßenbaumaßnahmen in städtischen Bereichen.

Die heute vorherrschende Organisation von Verkehr und Transport ist eine der bedeutsamsten Bruchstellen, wo unbegrenztes Wachstumsdenken und ökologisch- umweltschützendes Bewusstsein konfliktvoll aufeinanderstoßen.

Wir sind überzeugt

Auch in einer nachindustriellen Ära werden die gesellschaftlichen Stoffwechsel- prozesse außerordentlich komplex, vielschichtig und im weiten Bereich auch arbeitsteilig sein. Erhöhte Produktivität wird sich in einem Mehr an Freizeit ausdrücken, was den Wunsch nach Beweglichkeit und Reisen erhöhen dürfte. In diesem Sinne wird Mobilität eine gesellschaftliche Notwendigkeit und ein menschliches Grundbedürfnis sein und bleiben.

Das Heißt aber keineswegs, dass damit die heute praktizierte Form verkehrlicher Organisation akzeptabel wäre. Vielmehr werden gravierende Veränderungen notwendig sein, schon allein im Hinblick auf das zu Ende gehende Öl, für das schwerlich rechtzeitig ein geeignetes Substitut gefunden werden dürfte. Ein Wandel des Bewusstseins, der sich auch in einem weniger zwanghaften Verhältnis zum Automobil ausdrückt, wird diese Veränderungen begleiten müssen.

  • Erstes Prinzip in Wirtschaft und Privatleben sollte sein, möglichst wenig Verkehr zu erzeugen. Integrierte Lebenskreise können den Mobilitätszwang entscheidend verringern. Beispielsweise das Zusammenführen von Wohn- und Arbeitsplatz, vor allem im Dienstleistungssektor und im Handwerk, eine humanere Gestaltung der Wohnumwelt, damit nicht jedes Wochenende Tausende Städter aus ihren öden Wohnsilos ins Grüne flüchten müssen etc.
  • Die Art und Weise, wie heute Verkehr abgewickelt wird, fördert Machtstrukturen. Einerseits begründet unsere Leidenschaft für das Automobil die Macht großer Monopole, andererseits kann das eigene Auto ein bewusst eingesetztes Herrschaftsinstrument sein: Wer 200 Sachen fährt, degradiert die anderen zu Statisten. Wer eine Luxuslimousine um eine halbe Million besitzt, degradiert die anderen zu Habenichtsen.
  • Wie schon im vorigen Punkt angedeutet, ist die Geschwindigkeit entscheidend, wie der Verkehr abgewickelt wird. Es gibt ein „sozial kritisches Quantum“ an Geschwindigkeit. Jenseits dessen beginnen die negativen Auswirkungen eines Verkehrssystems zu überwiegen. Als krasses Beispiel die umstrittene Concorde, die mit ihrem Überschallknall mehr Umweltqualität zerstört als einige jet-gewichtige Spitzenmanager und Bürokraten an Zeit gewinnen. Beim Automobil lässt sich nachrechnen, dass die volkswirtschaftlich günstigste Geschwindigkeit zwischen 70 und 80 km/h liegt. Wir sollten Autos bauen, die in diesem Geschwindigkeitsfeld liegen.
  • Ca. 25% des Primärenergiebedarf fallen auf den Sektor Verkehr. Hier liegen gewaltige Einsparungsmöglichkeiten. Die einzelnen Transportsysteme sind deshalb auf ihre energetische Effizienz zu überprüfen, und jenes zu bevorzugen, das den geringsten Energiebedarf hat. Ein Vergleich zeigt, dass mit einem Energieäquivalent von einem Liter Benzin, ein Radfahrer 325 km, ein Fußgänger 130 km, ein Zugpassagier 55 km, ein Autofahrer 11 km und Flugpassagier 6 km zurücklegen. Diese Zahlen sprechen für sich.
  • In den Städten ist die zerstörerische Wirkung des Individualverkehrs besonders groß. Hier gilt es eine eindeutige Option für den öffentlichen Verkehr (Bus. Tram) und für das Fahrrad bei entsprechenden Radwegangebot zu setzen. Beruhigte Wohnquartiere nach holländischem Muster, können erste Schritte in diese Richtung sein.
  • Nach unserer Überzeugung liegt der Schlüssel für eine Neuordnung des Verkehrs in der Einstellung dem Automobil gegenüber. Deshalb kann persönliche Verhaltensänderung in diesem Punkt großes politisches Gewicht erlangen.

Wir wollen das Auto nicht abschaffen, sondern es sinnvoll einsetzen. Statusdenken, Herrschaftsausübung, Renommiersucht und alles andere irrationale Beiwerk haben dabei keinen Platz. Dass diese Einstellung einer der mächtigsten Internationalen Industrielobbies keine Freude bereitet, ist klar. Aber gerade das könnte man als Herausforderung annehmen.

Wir sind bereit

Uns bei der Abwicklung unserer Mobilitätsbedürfnisse energie- und umweltbewusst zu verhalten, sei es bei der Wahl des Transportmittels, sei es bei der Art und Weise seiner Benützung. Insbesondere sind wir bereit, zur Entmythologisierung des Privatautos einen persönlichen Beitrag zu leisten, damit das Auto wieder zu dem wird, was es sein soll: Ein in einem sehr begrenzten Bereich zweckmäßiges Fortbildungsmittel. Wir sind bereit, uns der Faszination technisch perfekter, schneller, großer und PS-starker Autos bewusst zu entziehen, weil das Auto heute ein wichtiges Herrschaftsinstrument geworden ist.

Wir wollen, falls überhaupt, das Auto nur benützen, wenn es unbedingt notwendig ist. Um seine Effizienz zu erhöhen, sind wir grundsätzlich bereit, auch andere Menschen mitzunehmen; insbesondere im Berufsverkehr könnte eine stärkere Kooperation viele Vorteile bringen. Wir sind grundsätzlich bereit, den Besitz und die Verfügung über ein Auto mit anderen zu teilen, weil der Privatbesitz den Fetischcharakter des Automobils fördert und verstärkt. (Ein Blechschaden wird oft als Verletzung der eigenen Person empfunden).

Weil die Konterproduktivität des Autos in städtischen Ballungsraum am offenkundigsten wird, wollen wir besonders in der Stadt das Auto durch alternative Fortbewegungsmittel weitgehend ersetzen (öffentlicher Verkehr, Fahrrad, zu Fuß gehen). Wir halten es für eine ziemlich traurige Angelegenheit, wenn Leute deswegen eine Stunde früher zur Arbeit fahren, um sich noch einen Parkplatz zu ergattern.

Wir sind bereit, uns nachhaltig für die forcierte Nutzung des Fahrrades einzusetzen und dies auch selber praktizieren, weil das Fahrrad im städtischen Individualverkehr das effizienteste, umweltfreundlichste und menschengerechteste Forbewegungs- mittel darstellt.

Wir sind bereit, mehr als bisher die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen und uns für ihren verstärkten Einsatz einzusetzen, damit ihre Attraktivität gesteigert werden kann.

Schließlich sind wir bereit, unseren Lebensstil so zu gestalten, dass sich der Zwang zur Mobilität verringert. Denn der beste Verkehr ist de, welcher erst gar nicht entsteht. Das heißt, in erster Linie verstärkte Kommunikation mit unseren Mitmenschen, wie z.B. gemeinsames Einkaufen, Dienstleistungen, die wir uns gegenseitig erweisen können, Schülertransporte etc.

Wir fordern

Die Erarbeitung raumordnerischer Prinzipien, die eine integrierte Lebensweise fördern und dadurch die Verkehrsbedürfnisse vermindern. Dies hängt eng mit der Schaffung überschaubarer Lebensbereiche zusammen. Wir fordern die schrittweise Zurückdrängung der mehr oder weniger versteckten Formen der manipulativen Werbung für die Motorisierung; insbesondere Autorennen und ihre Übertragung durch das Fernsehen, Motocross, Autocrash, Rallys etc. Besonders bei der Jugend sollte einer falschen und gefährlichen Idolbildung (Niki Lauda) durch eine aufklärende Erziehung entgegengewirkt werden.

Wir fordern gesetzliche Regelungen zu einer durchgreifenden Geschwindigkeits- beschränkung (z.B. 90 km/h), weil damit hunderte Verkehrstot vermieden werden können und Straßen billiger und naturnaher gebaut werden können. Dies darf sich aber nicht auf straßenpolizeiliche Maßnahmen beschränken, sondern soll den Bau und Konstruktion der Autos miteinbeziehen: Es sollen nur solche Motoren zugelassen werden, die keine höhere Geschwindigkeit erlauben, was außerdem noch den Vorteil einer Verringerung des Treibstoffbedarfes und des Schadstoffaus-stosses mit sich bringen kann. Österreich könnte bei der Entwicklung eines solchen „Öko-Mobiles“ einen wichtigen Beitrag leisten.

Wir fordern die Einführung von vier autofreien Sonntagen im Jahr, ähnlich einer Schweizer Initiative, weil damit die schrittweise Emanzipation von Auto und Besinnung auf echte Freizeitwerte gefördert werden kann. Wir fordern die Einführung des LKW-Nachtfahrverbotes für das gesamte Bundesgebiet, weil wieder klarer werden muss, dass die Wirtschaft für den Menschen da zu sein hat und nicht umgekehrt.

Wir verlangen die schrittweise Einführung des Nulltarifes bei den städtischen Massenverkehrsmitteln und als ersten Schritt dazu einen Stop für weitere Tariferhöhungen. Die Mittel dafür sollen unter anderen aus einer rigorosen Parkraumbewirtschaftung in der City hereingebracht werden.

Wir fordern die unverzügliche Erstellung und Realisierung großzügiger Radwege- konzepte für die Städte, weil die derzeitige Situation die Radfahrer diskriminiert und gefährdet und nicht geeignet ist, mehr Menschen für das Umsteigen auf das Fahrrad zu gewinnen. Der Radfahrer soll im Straßenverkehr einen ähnlichen Schutz erfahren wie die Kinder und eine Vorrangstellung wie der öffentliche Verkehr. Weiters sollten in erweiterten Fußgängerzonen den Passanten besonders gekennzeichnete Fahrräder kostenlos zur Verfügung stehen.

Wir fordern eine Herabsetzung der zugelassenen Tonnagen im Straßengüterverkehr, weil dieser unverhältnismäßig zum Verschleiß der Straßen beiträgt. Bei allen größeren Verkehrsplanungen sollten in Zusammenarbeit mit den Betroffenen Nutz- wertanalysen erstellt werden, die ein echtes Abwägen der Vor- und Nachteile einer solchen Maßnahme ermöglichen, in den städtischen Bereichen sollte ein Emissionskataster des Straßenverkehrs jährlich erstellt und in der Öffentlichkeit diskutiert werden, verbunden mit einer Aufklärung über die gesundheitlichen und ökologischen Auswirkungen der Schadstoff- und Lärmemissionen.

Schließlich fordern wir ein präventives Landeverbot für alle Überschallpassagier- flugzeuge in Österreich, weil diese in besonderem Maße unweltzerstörend wirken.